Jeder kennt dieses lustige Bild, wenn Hundebesitzer:innen von ihrem Hund spazieren geführt werden. Für den Betrachter mag das vielleicht lustig aussehen, doch für die Beteiligten ist es eine einzige Tortur. Der Hund zieht wie verrückt nach vorne und droht sich selbst zu erwürgen. Das Herrchen/Frauchen/Divers spürt schon seine Hände nicht mehr vor lauter Schmerz, die Arme lahmen und eigentlich hat man schon gar keine Lust überhaupt mit dem Hund rauszugehen. Es entsteht ein psychischer Stress für beide.
Warum ist das so? Warum zieht der Hund auch, wenn es für ihn Stress bedeutet? Was kann ich tun, um es zu ändern?
Der Grund liegt auf der Hand, der Hund übernimmt das Rudel. Er ist der Pack Leader, er zeigt entschlossen und unbeirrbar, welchen Weg er geht. Es ist der Weg, den er für sich selbst gewählt hat. Der Hund zieht in die Richtung und nimmt den Weg mit den besten Düften (Informationen), vielleicht den Weg zu seiner Spielwiese etc. Ein Straßenhund, der in einem Rudel lebt, hat dieses Problem mit der Leine natürlich nicht und verhält sich nach den “Vorgaben” des Rudelführers.
Oben im Bild sieht man, wie ein Hund den anderen an der Leine führt, OJgoldenretriever ist hier der Pack Leader und Max folgt ihm ohne zu zögern. Hier ist die Leine nicht gespannt und beide laufen entspannt und im gleichen Tempo nebeneinander her. Wenn OJ die Richtung ändert, folgt Max ihm automatisch, da sie darauf vertraut, dass OJ genau weiß, wo es lang geht. Wenn Max aber in eine andere Richtung laufen will, bleibt OJ stur und zieht kurz an der Leine, um Max wieder in die richtige Richtung zu lenken.
Klar, Du bist kein Hund und auf dem Bild sieht alles so einfach aus. Aber es klappt nicht, wenn Du es mit Deinem Hund versuchst? Hier kommt es auf Deine innere Einstellung zu Deinem vierbeinigen Freund an. Wie siehst Du deinen Hund? Als Tier oder “vermenschlichst” Du Deinen Hund?
“Vermenschlichung” – was ist damit gemeint?
Beispiel: Dein Hund wird von einer wehenden Motorradhaube erschreckt… Er will nicht mehr weitergehen, die Motorradhaube ist ihm zu unheimlich… Was machst Du?
Nimmst Du Deinen Hund auf den Arm, streichelst Du ihn, damit er weniger Angst hat? Wechselst Du vielleicht die Straßenseite?
Wenn Du diese Dinge tust, “vermenschlichst” Du Dein Tier.
Ein Pack Leader in einem Hunderudel auf der anderen Seite, geht ohne viel Aufhebens daran vorbei. Weil er die Erfahrung, dass von einer wehenden Motorradhaube keine Gefahr ausgeht, vielleicht schon gemacht hat. Die Erfahrung, dass von einer wehenden Motorradhaube keine Gefahr ausgeht, hast du als Mensch auf jeden Fall schon gemacht.
Hunde im Rudel lernen viele Eigenschaften von den Rudelmitgliedern. Der Rudelführer und seine Verhaltensweisen stehen ganz oben auf der Imitationsliste. Ergo für den Hund: Wenn der Rudelführer angstfrei passieren kann, kann ich es als Rudelmitglied auch. Die Rudelmitglieder verlassen sich auf die Erfahrung und das Selbstvertrauen des Rudelführers, der einfach vorbeiläuft, ohne auf sein Rudel besonders einzugehen. Durch dieses Verhalten wird die Angst vor einer vermeintlichen Gefahr wie eine wehende Motorradhaube genommen.
Und das ist die Antwort, warum dein Hund an der Leine zieht, er hat kein Vertrauen, dass du ihn führst, und deshalb hat er die Führung übernommen. Die Lösung: Mehr Selbstvertrauen, wieder positiv an den nächsten Spaziergang denken, Selbstvertrauen – sich den Problemen stellen. Die Führung des Rudels übernehmen. Hilfreich ist natürlich, die Leine kurzzuhalten und den Hund bei Wegabweichungen mit der Leine zu korrigieren. Nach einer gewissen Zeit, in der der Hund an der kurzen Leine mit dir aus dem Haus geht, wird er sich an dein Tempo anpassen.
Bitte sei nicht frustriert. Es wird wahrscheinlich nicht gleich klappen. Habe Geduld mit Dir und Deiner Fellnase, denn auch Dein Hund muss erst verstehen, dass Du jetzt die Führung des Rudels übernommen hast.
Wir sind gerne fuer Dich da, wenn Du weitere Hilfe brauchst.
Dein FDW – Team

